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Film & Fernsehen | 1956
Das Lied der Laute



Erstausstrahlung: Mo., 29.10.1956
21:05–22:15 Uhr
Deutsches Fernsehen
Laufzeit (PAL):72′16″
Bild:4:3 in Schwarz/Weiß
Konservierung:FAZ
Teilweise erhalten 1
Theatertext: Gau Dsö Dschöng 2
Wilhelm Michael Treichlinger 3
Inszenierung: Walter Oehmichen
Puppenbau: Hannelore Oehmichen
Kostüme: Rose Oehmichen
Musik: Mark Lothar
Ton: Walter Ohm (Ton-Regie)
Produktion: Bayerischer Rundfunk
Inhaltsangabe:
»Holz vom Zimmetbaum, Duft der Erinnerung, eine alte Laute voll erstorbener Klänge, glanzlos die Griffe aus Jade, staubbedeckt die Saiten, zittrig zirpend der Ton, ein nutzloses Ding. Rühre sie an ehrfürchtig, zärtlich und es blüht aus ihr wie einst.«
Man scheibt das Jahr des Affen. Durch die Fürsprache des befreundeten Nachbarn Dschang, der als Schreiber für den höchsten Beamten des chinesischen Landkreises Tscheng Liu arbeitet, wird dem jungen gelehrten und edelmütigen Bauern Tsai eine unerwartete Ehre zuteil. Er wird ausgewählt als einer der drei talentiertesten Männer des Landkreises an einem Wettbewerb teilzunehmen, dessen Bestreiter ein Amt am kaiserlichen Hof zusteht.
Nur schweren Herzens verlässt der junge Mann seine Heimat und überlässt Frau und Eltern sich selbst. Erst als diese ihm zureden zu gehen, stimmt er der Teilnahme zu.
Tsai besteht die Prüfungen mit Auszeichnung und erhält das Amt des kaiserlichen Zensors.
»Zehn Jahre verließ ich meine Bücher nicht. Als ich die Augen aufhob fand ich mich berühmt, in seidenen Gewändern duchschritt ich als erster von 120 Glücklichen die Hauptstadt und trank den Ehrenwein an kaiserlicher Tafel. Dies alles ließ mein Herz nicht höher schlagen. Stolz bin ich nur, dass sich die Eltern freuen werden.«
Gerade diese müssen jedoch zur gleichen Zeit, in der Tsai nicht aus der Hauptstadt fortgelassen wird, gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter Wu-niang Schreckliches erleiden. Nicht nur die Ungewissheit über den Verbleib ihres Sohnes und Gatten nagt an den drei geliebten Menschen. Auch eine Hungersnot beutelt die Bevölkerung in der Provinz.
Als sei dies nicht Sorge genug, hat Tsai mit einem weiteren Unglück zu kämpfen. Der von seinen Fähigkeiten beeindruckte Hofmarschall wünscht den neuen Würdenträger mit seiner Tochter Niu-schö zu vermählen und beschließt diesen Akt ohne Rücksicht auf Tsais persönliche Gefühle. Trotz aller Versuche ist die Heirat nicht abzuwenden.
Die Jahre vergehen und derweilen sterben im Landkreis Tscheng Liu unzählige Menschen Hungers, da der oberste Beamte den gelagerten Reis aus Habgier nicht austeilt. So auch Tsais Eltern. Nur Wu-niang ist noch am Leben.
»Ein Reiskorn in Zeiten des Überflusses ist nichts, ein Reiskorn in Zeiten der Not ist kostbar wie ein Edelstein. Die Helmbuschbohnen überwachsen den Dornbusch, die Wunde breitet sich über die Ebene aus. Mein Liebster ist von mir gegangen. Bei wem soll ich bleiben? Ich bleibe allein. Sommertage, Winternächte. Nach vielen vielen Jahren werde ich wieder bei ihm sein.«
Vor dem Nichts stehend beschließt Wu-niang selbst in die Hauptstadt zu reisen und nach ihrem Mann zu suchen. Sie findet ihn, doch begreift sie seine unglückliche Lage und ist unsicher, ob sie sich ihm nähern darf, ohne ihn zu gefährden. Sie entschließt sich dagegen, macht aber auf der Suche nach einer Anstellung als Magd die Bekanntschaft von Niu-schö, die ihren Mann und seine erste Frau wieder vereint und so sein, ihr und das eigene Glück wieder herstellt.
»Den Weisen ohne Buch, den Geduldigen ohne Ziel, den Vergänglichen ohne Zeit, den Großen ohne Namen. – Holz vom Zimmetbaum, Duft der Erinnerung, eine alte Laute voll erstorbener Klänge. Rühre sie an erfürchtig, zärtlich und es blüht aus ihr wie einst.«

Informationen:
Obwohl die Augsburger Puppenkiste für ihre Theateraufführungen von Das Lied der Laute ein Tonband verwendete, fertigte der BR für seine Verfilmung des Stücks eine eigene Tonspur an. Für diesen Filmton fanden jedoch keine neuen Aufnahmen statt, denn der BR verfügte bereits seit 1953 über ein Radio-Hörspiel dieses Titels, das nur neu gemischt und ein wenig gekürzt zu werden brauchte.

Figuren und Sprecher:
Die Laute
Maria Wimmer
Kreisbeamter
Wilfried Seyfert
Schreiber Dschang
Siegfried Lowitz
Wu-niang
Agnes Fink
Tsai
Peter Lühr
Vater des Tsai
Ernst Schlott
Mutter des Tsai
Erna Grossmann
Prüfling Wang
Fritz Strassner
Prüfling Hsiang
Hans Hermann Schaufus
Hofmarschall Niu
Hans Leibelt
Prüfer 1
Prüfer 2
Heiratsvermittlerin
Else Wolz
Obereunuche
Bum Krüger
Niu-schö, Tochter des Hofmarschalls
Ina Peters
Mandarin
Ernst Ginsberg
Wu, der Büttel
Hanns Stein
Blinder
Otto Brüggemann
Tauber
Sepp Nigg
Kaiser
Friedrich Domin
Produktionsdaten:
11.–17.06.1953: Tonaufnahmen im Rahmen der Radiohörspielproduktion4
29.10.1956: Proben und Live-Übertragung


Tsai und seine Frau Wu-niang
[© Fotostudio Meile]

Niu-schö und Tsai
[© Fotostudio Meile]

Tsai, Niu-schö und Wu-niang
[© Fotostudio Meile]
Bezüge zu anderen Produktionen:

Ist die Verfilmung von
A) 1955: Das Lied der Laute

   1 Es wurde zwar eine Filmaufzeichnung (FAZ) der Live-Sendung angefertigt, aber sie ist nicht erhalten. Nur das Hörspiel, das als Ton diente, existiert noch.
   2 chinesische Originalfassung Pi-ba Dji
   3 deutsche Nachdichtung des altchinesischen Spiels von Gau Dsö Dschöng von 1367
   4 Das Hörspiel (ESD: 30.06.1953 in BR1) wurde 1956 als Tonspur für den Film neu geschnitten
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