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Bühne | 1958
Mopsuskomödien



Premiere:08.11.1958
Theatertext: Richard Seewald
Inszenierung: Walter Oehmichen
Puppenbau: Hannelore Marschall-Oehmichen
Kostüme: Rose Oehmichen
Bühnenbild: Ernst Ammann
Musik: Hermann Amann
Inhaltsangabe:
Mopsus ist der Sohn von Manto und Apollo – ist somit göttlicher Abstammung und hat die Gabe des Sehers Teiresias, seines mutterseitigen Großvaters, geerbt. Wie für die Götter der griechischen Mythologie üblich verwandelt er sich regelmäßig, nimmt andere Gestalt an und mischt sich unter die gewöhnlichen Menschen. Er half Amphilochos, das apollonische Orakel in Kolophon zu finden. Er schlug in einem Seherwettstreit Kalchas, der aus Scham und Enttäuschung über diese Niederlage starb. Auch gilt er als Gründer zahlreicher Städte, unter anderem von Mopsuestia in Kilikien, Klaros und seines Todesortes Mallos.
Von Alldem soll hier aber nicht die Rede sein: Denn Mopsus tritt auch als Sauhirte in das Leben Europas und Philemons in Kleinasien, erscheint als Student der Geheimwissenschaften in Babylon und als Sklave in Ägypten.

I. Prolog des Mopsus
Hochgeehrtes hochvermögendes Publikum! Ihr, die ihr so gebildet, so gelehrt und weise seid, so streng und gerecht zu urteilen wisst – nur zaghaft wage ich zu euch zu sprechen. – Was ficht mich an gerade in dieser Zeit vor euch zu treten? In dieser großen Zeit, die sich pathetisch das Kosmische Zeitalter nennt, weil ihr nicht mal mehr die Grenzen dieser Erde groß genug sind? Diese Zeit, welche sich mit so viel Ernst anschickt, ihre letzte Tragödie zu inszenieren, die, wenn sie über die Bretter gehen wird, keinen zweiten Vorhang mehr erleben wird, weil diesmal nicht die Bretter die Welt bedeuten, sondern es sind? – Ach, ich bin unsäglich unzeitgemäß. Bin weder groß noch kosmisch. Sondern klein und komisch.
Klein: das werdet ihr sehen, denn ich bin nur eine hölzerne Marionette.
Komisch: ja, worauf beruht denn das Komische? – Es haben die Philosophen, diese ernsthaften Leute, denen nichts von selbst einleuchtet, sondern die meinen, die simplesten Dinge würden erst klar, wenn sie sie mit der Leuchte ihres Verstandes beleuchtet haben, die haben erklärt, es bestände in einem Missverhältnis und sei so mit dem Tragischen verwandt. Der Unterschied sei einzig der, dass es einmal zum Lachen reize und das andere mal zum Weinen. Nun, wenn sie mich ansehen, so ist bei mir alles im Missverhältnis: Mein Kopf ist zu groß, mein Bauch zu dick, meine Beine zu kurz. – Ergo bin ich komisch!
Es gibt Leute, die das tragisch nehmen würden. Ich nicht! Ich unterwerfe mich demütig der Absicht dessen, der mich gemacht hat. Und nach dem Gesetz, nach dem ich angetreten, habe ich die Absicht nichts anderes zu sein als komisch und euch lachen zu machen. Ist das so wenig?
Das Erzoberhaupt aller Philosophen, ein gewisser Aristoteles, soll – ich hab' ihn nicht gelesen – die Tragödie damit entschuldigt haben, dass sie eine reinigende Wirkung auf das Publikum habe – eine sogenannte katarrhische. – Huh – Dass ich nicht lache! Ein Katarrh eine reinigende Wirkung?! Ich behaupte, diese Behauptung sei durchaus komisch, da sie im schreienden Missverhältnis steht zu meiner und eurer Erfahrung. Bei mir wenigstens verstopft ein Katarrh die Nase, das Hirn und die gute Laune – oder meint er gar, das Wasser der Tränen, das ihr bei einer Tragödie vielleicht vergießt, spült euch rein? Höhö. Höhö. Lacht! Lacht! Und auch lachend werdet ihr Tränen vergießen.
Nein, nein, glaubt Mopsus, das Komische allein reinigt die Komplexe, ist das wahre Purgativ verstopfter Seelen. Das Zwerchfell, wenn es vom Lachen erschüttert wird, wirft gleich einem Trampolin das menschlische Herz in die Höhe. Es hüpft vor Freunde. O fröhlicher Tanz, in dem verjüngt selbst Greise springen!
Also vergesst einen Augenblick die »große« Zeit, lasst Euch von mir in eine kleinere entführen. Lacht heute – vielleicht weint Ihr morgen.

II. Der Raub der Europa
Der junge Schafhirte Philemon, Sohn ehrenreicher von den Göttern begünstigter Kriegsherren wartet an verabredeter Stelle auf die Ankunft der schönen Königstochter Europa. Die beiden jungen Leute sind einander versprochen, seit vor vielen Jahren eine Traumdeutung verhieß, Philemon würde einst der Gatte Europas und somit Stammvater eines neuen Volkes auf einem neuen Kontinent, der den Namen Europens tragen solle.
Vorerst leistet ihm jedoch nur der Schweinehirt Mopsus Gesellschaft. Die holde Angetraute grimmt ihrem künftig königlichen Mann, da sie an dem sanftmütigen Schafhirten sämtliche Fertigkeiten eines mächtigen Herrschers vermisst.
Derweilen hat Göttervater Zeus ein Auge auf die schöne menschliche Frau geworfen. In der Gestalt eines weißen Stieres nähert er sich ihr, gewinnt ihr Vertrauen und trägt sie auf seinem Rücken über das Meer fort.
Philemon vergisst bei diesem Anblick alle Sanftmut. Voller Tatendrang und Entschlossenheit erwirbt er ein Schiff und begibt sich in Begleitung von Mopsus auf die gefahrvolle Suche, in deren Verlauf er die Prüfungen von Sirenen, Nayaden und Zeus selbst bestehen muss. Der lebensfrohe und liebenswert naive Mopsus ist ihm dabei eine größere Hilfe als anfangs gedacht …

III. Mopsus in Babylon
Von seiner Tante Euphrosine nach Babylon geschickt um sich zum Meister der Geheimwissenschaften ausbilden zu lassen, reitet Mopsus auf seinem Esel auf die große Stadt zu. Er wundert sich nicht wenig, als sich das Maultier plötzlich mit menschlicher Stimme an ihn wendet und angibt aus ihm spräche die Vernunft. Die Weisheiten des Esels lassen sich mit zwei Worten zusammen fassen: Demut und Vernunft! Zu alte und zu dornige Weisheiten für Mopsus' Geschmack. Die Reise nach Babylon wird also fortgesetzt und der Tunichtgut findet eine Anstellung im Hause des Astrologie-Prof. Horospokus.
Als diesem in einer Nacht seine Tochter Alabaster geboren wird, stehen Mars und Venus in ungünstiger Konstellation – das Mädchen darf daher nach der Deutung des Vaters auf keinen Fall Assur, den Sohn des Prof. Freudiastro heiraten. Sechzehn Jahre vergehen und die beiden Kinder der Professoren verlieben sich gegen den Willen der Väter.
In einem von Assur gebauten Luftschiff flüchten sie daher in den Himmel, wo sie Mars und Venus von der Sonne zur Rede stellen lassen. Mopsus fliegt freilich mit …

IV. Ti und Hapschisut
Der junge Dichter Ti ist unsterblich in des Pharaos Tochter Hapschisut verliebt, welche das selbe für ihn empfindet. Deren vertraute schwarze Sklavin Tata hat unterdessen ein Auge auf den griechischen Sklaven des Dichters geworfen: Mopsus!
Doch der Pharao akzeptiert freilich nur einen Mann gleichen Standes oder Reichtums. So ist die Liebe hoffnungslos. Das Schicksal hält aber noch ein Hintertürchen bereit, denn Tis Vater war der Erbauer von des Pharaos Schatzhaus und überbringt seinem Sohn als Geisterscheinung ein Geheimnis, welches dem Dichter den Weg in die Schatzkammer weist …


Bühnenbild und Szenenfolge:
I. Prolog des Mopsus (Spieldauer: 4′10″)
Vorspiel auf dem Proszenium

II. Der Raub der Europa
oder Vom Ursprung der Europäer
Ein beinah klassisches Lustspiel in drei Akten (Spieldauer: 39′25″)
1.Bild: Eine Weide
2.Bild: Auf dem Meer
3.Bild: Die neue Welt – Europa

III. Mopsus in Babylon
oder Die grosse Babylon ist nur ein Scherz
Marionettenkomödie in vier Bildern (Spieldauer: 38′43″)
1.Bild: Freie Gegend, in der Ferne der babylonische Turm
2.Bild: Plattform des Turms von Babel
3.Bild: Rechts und links von einer Wand
4.Bild: Im Himmelsraum

Pause

IV. Ti und Hapschisut
oder Der Stein der Weisen
Eine ägytische Farce in drei Akten (Spieldauer 44′05″)
1.Akt: In den Gärten des Pharao
2.Akt: In der Schatzkammer des Pharao
3.Akt: Im Palast des Pharao
Figuren und Sprecher:
— I. Prolog des Mopsus —
Mopsus
Walter Oehmichen

— II. Raub der Europa —
Mopsus, Ziegenhirte aus Kleinasien
Walter Oehmichen
Philemon, Schafhirte1
Manfred Jenning
Europa, Königstochter aus Kleinasien
Zeus, Göttervater
Sirenen
Beatrix Laqua (und andere)
Najaden
Beatrix Laqua (und andere)
Nymphen
Rosemarie Niebler (und andere)
Oreaden
Beatrix Laqua (und andere)

— III. Mopsus in Babylon —
Horospokus, Prof. der Astrologie
Alabaster, seine Tochter
Freudiastro, Prof. der Psychonanalyse
Günter Knecht
Assur, sein Sohn
Manfred Jenning
Mopsus, Student der Geheimwissenschaften (stud. occult.)
Walter Oehmichen
Ein Esel
Herbert Meyer
himmlisches Klingen
Beatrix Laqua (und andere)
Gewitterwolke
Manfred Jenning (und andere)
Die Sonne
Rose Oehmichen
Mars
Walter Oehmichen
Venus
Rosemarie Niebler

— IV. Ti und Hapschisut —
Der Pharao von Ägypten
Sein Vezir
Günter Knecht
Ti, ein junger Dichter
Manfred Jenning
Mopsus, sein griechischer Sklave
Walter Oehmichen
Hapschisut, Prinzessin von Ägypten
Tata, Negersklavin der Prinzessin
Rose Oehmichen
Der Geist von Tis Vater
Günter Knecht
Totitutep (Vorsteher der hohen Zollkommission)
Manfred Jenning
Mentitutep (Oberster Heereslieferant)
Max Bößl
Haruntotep (Allerhöchster Vorsteher der Steuerkommission)
Herbert Meyer
Ein Krokodil
(stumm)
Ein Löwe
Walter Oehmichen

Szene II-1: (v.l.n.r.) Europa lauscht dem Kampf der Lieder von Philemon und Mopsus
[© Fotostudio Meile]

Szene II-1: Europa wird von Zeus in Gestalt eines weißen Stieres entführt
[© Fotostudio Meile]

Szene II-2: Mopsus und Philemon stechen in See um Europa zu retten
[© Fotostudio Meile]

Szene II-3: (v.l.n.r.) Göttervater Zeus in Gestalt Philemons als Kriegsherr, Europa und Philemon
[© Fotostudio Meile]

Szene III-2: Mopsus und Prof. Horospokus bei ihren Studien auf dem Turm zu Babel
[© Fotostudio Meile]

Szene III-3: Die unglücklich verliebten Assur (l.) und Alabaster getrennt durch eine Wand – und doch nicht getrennt …
[© Fotostudio Meile]

Szene III-4: (v.l.n.r.) Mopsus, Alabaster und Assur reisen in einem Luftschiff zur Sonne
[© Fotostudio Meile]

Szene IV-1: Ti und Hapschisut
[© Fotostudio Meile]

Szene IV-2: Mopsus wird von Ti an einem Seil in des Pharaos Schatzkammer hinab gelassen … und von einem Löwen erwartet
[© Fotostudio Meile]

Szene IV-3: Hapschisut und Tata
[© Fotostudio Meile]

Szene IV-3: Der Pharao und sein Vezir
[© Fotostudio Meile]

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