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Bühne | 1958
Frau Holle



Premiere:18.10.1958
Buchvorlage: Jakob und Wilhelm Grimm
Bearbeitung: Walter Oehmichen
Inszenierung: Walter Oehmichen
Puppenbau: Erna Dorina Kroher 1
Hannelore Marschall-Oehmichen 2
Kostüme: Rose Oehmichen
Bühnenbild: Josef Armbruster 3
Hugo Schmitt (†)
Musik: Bernhard Stimmler 4
Inhaltsangabe:
Das Mädchen Liese hat kein schönes Leben. Ihre Stiefmutter lässt sie nach dem Tod des Vaters hart arbeiten und behandelt sie auch sonst sehr grob und lieblos. Die leibliche Tochter der Stiefmutter hingegen – sie trägt den Namen Trine – muss nicht einen Finger rühren und soll sich, so der Wunsch der Mutter, möglichst viel schonen und pflegen.
Eines Tages fällt Liese beim Spinnen die Spindel in den Brunnen. In ihrer Not springt sie hinterher, um die Spule zurückzuholen, und statt auf dem Grund des Brunnens landet sie unversehens im Reich der guten Frau Holle, die unserer Welt den Schnee sendet.
Liese hilft fleißig bei allen Arbeiten und als Belohnung schickt Frau Holle das Mädchen mit Gold überschüttet zurück nach Hause.
So viel Gold wünscht sich die Stiefmutter nun auch für ihre leibliche Tochter und sendet diese in das Reich der Frau Holle. Doch Trine ist bekanntlich faul, rührt keinen Finger und verlangt am Ende noch mit Nachdruck ihren Lohn.
Und den soll sie auch bekommen – den Lohn, der ihr gebührt …

Informationen:
Nach der Neuinszenierung des Jahres 1958 erfuhr Walter Oehmichens Frau Holle erst wieder im Jahr 1984 eine Neuinszenierung. Fotos, filmische Zeugnisse, Tondokumente und Schriftstücke belegen jedoch, dass das Stück zwischenzeitlich trotzdem manche Änderung erfuhr:
a) Die Puppen:
Als das Märchen 1948 erstmals in der Augsburger Puppenkiste inszeniert worden war, waren dabei Figuren zum Einsatz gekommen, deren Köpfe bereits 1944 von Erna Dorina Kroher modelliert worden waren. In den folgenden Jahren war zu einem unbestimmten Zeitpunkt – spätestens aber 1958 im Rahmen der Neuinszenierung – die Figur der Frau Holle mit einem neuen geschnitzten Kopf von Hannelore Oehmichen ausgestattet worden.
In den ersten Jahren nach der Neuinszenierung 1958 fanden die Aufführungen des Stücks weiterhin unverändert mit den zuvor verwendeten Figuren statt. Für die Neuinszenierung entstand nur die Puppe des Schornsteinfegers neu. Der Schutzmann wurde vermutlich aus dem Fundus besetzt. Beide Figuren hatte es bis dato nicht im Stück gegeben.5 Noch 19646 kam dieses Figurenset zum Einsatz. So auch für einen Satz Stereofotografien von Reimar Oesterlen, der leider nicht klar zu datieren ist, aber mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit dem Jahr 1965 oder 1966 zugeschrieben werden darf.
Die Verfilmung des Rai von 1967 hingegen zeigt andere Puppen. Die Figuren von Erna D. Kroher waren durch neue mit geschnitzten Köpfen von Hannelore Marschall-Oehmichen ersetzt worden – vermutlich irgendwann zwischen 1965 und 1967.
Anschließend wurde das Figurenset, wie es der Rai-Film zeigt, bis zum Jahr 1984 unverändert beibehalten.7
b) Die Stimmen:
Im Lauf der Zeit wurde für diese Inszenierung des Stücks mindestens dreimal ein Tonband aufgenommen. Im Jahr 1958 fand die erste Aufzeichnung statt. Die Rollen wurden dabei mit jenen Sprechern besetzt, die das Stück in den Jahren zuvor live gesprochen hatten. Günter Knecht, der seit Kurzem das Ensemble verstärkte, übernahm die neue Rolle des Schornsteinfegers. Walter Oehmichen führte die ebenfalls neu hinzugefügte Figur des Schutzmannes aus.
Für den Film des HR (1959) wurde ebenfalls dieses Tonband genutzt, jedoch fand es im Theater nur noch kurze Zeit Verwendung.
Obwohl die Aufnahme von 1958 bis heute ohne Schaden im Archiv des Theaters erhalten ist, wurde sie bereits in der ersten Hälfte der 1960er durch eine neue ersetzt. Wann genau diese entstand blieb nicht schriftlich dokumentiert. Laut Erinnerung von Sigrid Ihlenfeld, geb. Ockel könnte sie dem Jahr 1962 zuzuschreiben sein, in dem sie auch andere Rollen für Walter Oehmichen sprach. Gegen dieses Jahr spricht jedoch der Fakt, dass in der Fernseh-Dokumentation Die Augsburger Puppenkiste und ihre Stars (entstanden zwischen Mai und Juli 1964) das 58er Tonband zu hören ist. Die Beteiligung von Anke Tegtmeyer(-Rundshagen) grenzt die Entstehung gesichert auf die Jahre ihres Augsburgaufenthaltes (1961 bis August 1965) ein. Die Aufnahme dürfte also irgendwann im Zeitraum Juli 1964 bis August 1965 entstanden sein (sie wird daher im Weiteren als »~1965« bezeichnet). Ein möglicher Anlass für die neue Tonaufnahme könnte eventuell die oben beschriebene Fertigstellung des neuen Figurensatzes gewesen sein. Hernach wurde diese Aufnahme jedenfalls für alle Theateraufführungen des Stücks bis 1984 verwendet.
Trotzdem entstand zwischen dem 19.09. und dem 06.10. des Jahres 1967 ein weiteres Tonband. Anlass für diese Neuaufnahme war die Verfilmung des Märchens durch den Rai.
Leider konnte dieser Filmton von 1967 bislang weder im Archiv der Puppenkiste noch in dem des Rai gefunden werden.
Als der italienische Film 2009 für die DVD-Vermarktung erworben wurde, war das DVD-Label Pidax Film daher auf eine Kopie des Theatertons angewiesen, der aufwendig neu geschnitten und so an das Bild angepasst wurde. Dem Label wurde dazu der Ton von ~1965 zur Verfügung gestellt.
Beim Schnitt zeigte sich, dass die beiden Aufnahmen auch textlich von einander abwichen. Das Theatertonband von ~1965 und das verschollene Filmtonband von 1967 basierten jeweils auf Walter Oehmichens Bühnentext von 1958, der jedoch in beiden Fällen sehr unterschiedlich gekürzt worden war. Für den Film von 1967 war generell mehr Text gestrichen worden, dennoch wies er Textstellen auf, die in der längeren Aufnahme von ~1965 nicht vorkamen. Für die 2009er Neuvertonung des Films von 1967 mit dem Theatertonband von ~1965 fehlten also einige Dialogteile. Nicht ahnend, dass es auch noch die ältere Aufnahme von 1958 im Archiv der Puppenkiste gab, begnügte sich das Label mit dem ihm vorliegenden Ton von ~1965 und ging einen Kompromiss ein. Die Folge waren Kürzungen im Bildmaterial, überall dort, wo zu den Bewegungen der Figuren kein passender Ton vorlag. Zwar erwies sich später, dass im Tonband von 1958 tatsächlich alle für den Film benötigten Dialogteile vorhanden gewesen wären, für die DVD-Publikation des Films kam diese Erkenntnis aber leider zu spät. Der Film des Rai erschien bis dato also nur in leicht gekürzter Form.

Bühnenbild und Szenenfolge:
1. Auf dem Marktplatz einer kleinen Stadt
2. In Frau Holles Reich
3. Auf dem Weg zum Turm der Gerechtigkeit
4. Auf dem Marktplatz einer kleinen Stadt
5. In Frau Holles Reich
6. Auf dem Weg zum Turm der Gerechtigkeit
7. Auf dem Marktplatz einer kleinen Stadt
Figuren und Sprecher:
Aufnahme von 1958Aufnahme von ~ 1965
Gockel
Walter Oehmichen
Hanns-Joachim Marschall
Die fleißige Liese8
Hannelore Marschall-Oehmichen (Text)
Suzanne Doucet (Gesang)
Sigrid Ockel
Peter
Manfred Jenning
Manfred Jenning
Die faule Trine9
Ursel Döllgast
Maria Pichler
Mutter
Margot Schellemann
Anke Tegtmeyer
Frau Holle
Rose Oehmichen
Rose Oehmichen
Schornsteinfeger
Günter Knecht
Michael Peter
Schutzmann
Walter Oehmichen
Walter Oehmichen
Fridolin
Max Bößl
Max Bößl
Brote
Max Bößl
Manfred Jenning
Günter Knecht
Walter Oehmichen
Max Bößl
Manfred Jenning
Walter Oehmichen
Michael Peter
Äpfel
Ursel Döllgast
Rose Oehmichen
Margot Schellemann
Barbara Marschall
Maria Pichler
Rose Oehmichen
Anke Tegtmeyer
Produktionsdaten:
04.09.1958, 17:30 Uhr: Bandaufnahme
11.03.1964, 09:30 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme


1. Bild: Die fleißige Liese sitzt bereits am frühen Morgen am Brunnen auf dem Marktplatz vor dem Haus ihrer Stiefmutter und spinnt Wolle.
[© Reimar Oesterlen]

1 .Bild: Liese bekommt Besuch vom armen Peter, der sie gern heiraten möchte (links die alten Figuren, rechts die neuen)
[© Hessischer Rundfunk, RAI, Screenshot]

1. Bild: Während die faule Trine sich schonen soll, ist die Stiefmutter der Ansicht, dass Liese noch zu wenig gesponnen habe und schimpft mit ihr. Da entgleitet Liese die Spindel und fällt in den Brunnen.
[© Reimar Oesterlen]

1. Bild: Ärgerlich fordert die Stiefmutter, Liese solle der Spindel nachspringen und sie wieder aus dem Brunnen holen.
[© Reimar Oesterlen]

2. Bild: Statt auf dem Grund der Brunnens landet Liese nach ihrem Sprung auf einer blühenden Wiese.
[© Reimar Oesterlen]

2. Bild: Als Liese die Hilferufe der Brotlaibe hört, beschließt sie diese aus dem Ofen zu holen, ehe sie verbrennen.
[© Reimar Oesterlen]

2. Bild: Wie durch ein Wunder tanzen die Brote selbst aus dem Ofen, als Liese die Ofentüren geöffnet hat.
[© Reimar Oesterlen]

2. Bild: Wie durch ein Wunder tanzen die Brote selbst aus dem Ofen, als Liese die Ofentüren geöffnet hat.
[© Fotostudio Meile]

2. Bild: Liese schüttelt die reifen Äpfel vom Baum.
[© Reimar Oesterlen]

2. Bild: Liese schüttelt die reifen Äpfel vom Baum.
[© Fotostudio Meile]

2. Bild: Liese trifft auf ein Häuschen, in dem Frau Holle wohnt.
[© Reimar Oesterlen]

2. Bild: Frau Holle kommt hinaus vor ihr Häuschen um Liese kennen zu lernen (links mit alter Liesefigur, rechts mit neuer Liese und Frau Holle mit neuem Haar)
[© Hessischer Rundfunk, RAI, Screenshot]

2. Bild: Frau Holle nimmt Liese in ihre Dienste. Vor allem soll das Mädchen ihr die Betten tüchtig schütteln. Durch die Schleier der Ferne kann Frau Holle dann sehen, wie die Daunen üppig als Schnee zur Erde hinab fallen.
[© Fotostudio Meile]

2. Bild: Liese schüttelt fleißig die Betten. Obwohl es ihr bei Frau Holle besser geht als bei der Stiefmutter, wird sie bald von Heimweh geplagt.
[© Reimar Oesterlen]

3. Bild: Frau Holle hat Liese aus ihrem Dienst entlassen und durch das Tor der Gerechtigkeit geführt, in welchem sich ein Goldregen über das Mädchen ergoss. (Foto von 1958)
[© Fotostudio Meile]

3. Bild: Frau Holle hat Liese aus ihrem Dienst entlassen und durch das Tor der Gerechtigkeit geführt, in welchem sich ein Goldregen über das Mädchen ergoss.
[© Reimar Oesterlen]

4. Bild: Im Dorf muss der Schutzmann (l.; links alte Figur, rechts neue Figur) einen Streit schlichten, weil der Schornsteinfeger (r.) von Trine wegen seiner Rußigkeit verhöhnt worden ist.
[© Hessischer Rundfunk, Screenshot]

4. Bild: Trine und ihr Verlobter, der reiche Fridolin, treffen sich am Brunnen und vertreiben sich die Zeit.
[© Fotostudio Meile]

4. Bild: Trine und ihr Verlobter, der reiche Fridolin, treffen sich am Brunnen und vertreiben sich die Zeit. (links die alten Figuren, rechts die neuen)
[© Hessischer Rundfunk, RAI, Screenshot]

4. Bild: Goldgeschmückt ist Liese wieder aus dem Brunnen empor gestiegen. Der alte Gockel erkennt sie dennoch sogleich wieder.
[© Reimar Oesterlen]

4. Bild: Die Stiefmutter und ihre Trine bestaunen die vergoldete Liese. (links die alten Figuren, rechts die neuen)
[© Hessischer Rundfunk, RAI, Screenshot]

4. Bild: Die Stiefmutter wünscht sich solchen Reichtum auch für ihre leibliche Tochter Trine, darum soll Trine auch in den Brunnen springen und alles ebenso machen wie Liese.
[© Reimar Oesterlen]

5. Bild: Auch Trine kommt auf der Blumenwiese an, möchte dort jedoch lieber etwas ruhen, statt sich auf den Weg zu machen.
[© Reimar Oesterlen]

5. Bild: Die Not der Brote im Ofen lässt Trine unberührt. »Ich wär' ja dumm, würd' ich die Finger mir verbrennen. Wer's reingeschoben, hol's auch wieder raus.«
[© Reimar Oesterlen]

5. Bild: Auch die reifen Äpfel lässt Trine am Baum verderben.
[© Reimar Oesterlen]

5. Bild: Im Dienst der Frau Holle ist Trine mürrisch und faul. Die Betten schüttelt sie nur widerwillig.
[© Reimar Oesterlen]

6. Bild: Frau Holle hat Trine aus ihrem Dienst entlassen, und diese – als sie ihren Lohn forderte – unter dem Tor der Gerechtigkeit mit Pech übergießen lassen.
[© Reimar Oesterlen]

7. Bild: Pechbesudelt sitzt Trine nach ihrer Heimkehr am Brunnenrand, und der alte Gockel trägt ihre Geschichte mit seinem Ruf in die Welt hinaus.
[© Reimar Oesterlen]
Bezüge zu anderen Produktionen:

Ältere und jüngere Inszenierungen dieser Bühnentextfassung
A) 1948: Frau Holle

Wurde verfilmt als
A) 1959: Frau Holle
Verfilmung mit erstem Figurensatz
B) 1967: Frau Holle
Verfilmung mit zweitem Figurensatz

Allgemeiner/ Informativer Bezug zu einer Fernsehproduktion
A) 1964: Die Augsburger Puppenkiste und ihre Stars
zeigt einen filmischen Ausschnitt aus dem Stück mit den alten Puppen
B) 1973: 25 Jahre Augsburger Puppenkiste
C) 1974: Einmal Dritte Welt und zurück
1974 kamen die Kulissen und der neue Figurensatz auch für die Folge Die Wahrheit über Frau Holle in der Reihe Einmal Dritte Welt und zurück zum Einsatz.

   1 Bis ~1965: Köpfe menschlicher Figuren außer Frau Holle, Schornsteinfeger und Schutzmann
   2 Bis ~1965: Frau Holle, Schornsteinfeger und Schutzmann, Körper der übrigen menschliche Figuren + Tiere + Brote
Ab ~1965: alle Figuren

   3 Armbruster stützte sich bei seinem Bühnenbild auf die Entwürfe von Hugo Schmitt aus dem Jahr 1948.
   4 Die Komposition von 1948 wurde beibehalten, jedoch um einige Musiken und Lieder erweitert.
   5 Das Stück ist (leicht gekürzt) in dieser Form vom Hessischen Rundfunk festgehalten worden.
   6 als Manfred Jenning seine Dokumentation Die Augsburger Puppenkiste und ihre Stars drehte
   7 Ein Ausschnitt im Film 25 Jahre Augsburger Puppenkiste (1973) zeugt hiervon.
   8 zwei Puppen: normal und goldgeschmückt
   9 zwei Puppen: normal und pechbesudelt
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