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Bühne | 2010
Ein Sommernachtstraum

Premiere:30.10.2010
Theatertext: William Shakespeare 1
Christoph Martin Wieland 2
August Wilhelm von Schlegel 3
Inszenierung: Peter Scheerbaum
Puppenbau: Jürgen Marschall
Kostüme: Mareike Wittner
Bühnenbild: Hans Kautzmann
Musik: Felix Mendelssohn-Bartholdy
Musikal. Bearbeitung: Wolfgang Lackerschmidt 4
Musiker: Assia Chappot (Violoncello)
Birgit Heller (Fagott)
Nadiz Rodriguez (Oboe)
Harald Christian (Geige)
Thomas Deisenhofer (Klarinette)
Thomas Königs (Gitarre und Laute)
Claus Kapfer (Querflöte)
Inhaltsangabe:
Der Feenkönig Oberon und seine Gattin zürnen einander, leben voneinander getrennt, aber doch in ein und demselben Wald in der Nähe von Athen. In diesen Wald kommen zwei Liebespaare: Helena, die den Demetrius, Demetrius, der die Hermia, Hermia, die den Lysander, Lysander, der die Helena liebt. Oberon erbarmt sich der Liebenden und lässt durch seinen Diener Puck – nachdem dieser durch Schelmerei zuerst das Blatt gewendet und Verwirrung gestiftet hatte – durch einen Zaubersaft das Gleichgewicht herstellen.
Um diese Zeit soll auch am Hofe von Athen die Hochzeit des Theseus mit Hippolyta gefeiert werden. Der Handwerker Zettel kommt mit einigen Gesinnungsgenossen in den Wald, um ein Festspiel zu probieren, das bei der Hochzeitsfeier aufgeführt werden soll.
Puck vertreibt die Handwerker. Oberon aber bedient sich des einfältigen Zettels, um seiner Gemahlin einen Streich zu spielen. Er lässt auf Titanias Augen von dem Liebeszaubersaft tröpfeln, und so hält die Feenkönigin den mit einem Eselskopf versehenen Zettel für einen Liebesgott.


Bühnenbild und Szenenfolge:
1. Vor dem Palast
2. Elfenwald
3. Schlafplatz Titania
4. Handwerker
5. Einschlafplatz (im Wald)
6. Schlafplatz Titania
7. Vor dem Palast
Figuren und Sprecher:
Puck
Ben Becker
Oberon
Peter Pius Irl
Titania
Eva Maria Keller
Helena
Birge Funke
Hermia
Annina Braunmiller
Lysander
Gerd Meyer
Demetrius
Andreas Ströbl
Theseus
Gerhard Acktum
Hippolyta
Kathrin Anna Stahl
Egeus
Gerhard Jilka
Niklas Zettel / Pyramus
Christian Blank
Peter Squenz / Mond
Christian Oswald
Matz Schlucker / Tispe
Hans Kautzmann
Hans Schnock / Löwe
Martin Stefaniak
Tomas Schnauz / Wand
Phil Bierbrauer
Bohnenblüte
Ulrike Langenbein
Senfsamen
Astrid Kjaer Jensen
Spinnweb
Sabine Mittelhammer

Kritiken/ Pressestimmen:
Puck treibt es in der Puppenkiste
Von Alois Knoller (19.10.2010, Augsburger Allgemeine)
Augsburg - Kaum zu glauben: Erstmals nach 60 Jahren inszeniert die Augsburger Puppenkiste ein Stück von William Shakespeare. Am 30. Oktober hat das turbulente Lustspiel „Ein Sommernachtstraum“ seine Premiere. „Manfred Jenning wollte immer Shakespeare aufführen, doch der geniale Regisseur starb zu früh“, sagt sein Nachfolger Peter Scheerbaum. Er hat sich daran gemacht, eine Version für das Marionettentheater zu entwickeln - wonach der „Sommernachtstraum“ geradezu schreit.
„Denn im Puppentheater können die Feen einfach Feen und die Gnome wirkliche Gnome sein“, bekräftigt Theaterleiter Klaus Marschall auf der Pressekonferenz beim treuen Sponsor Stadtsparkasse. Die magische Welt hat seinen Bruder Jürgen zu wundervollen Figuren inspiriert. Der Puck sollte hinterlistig und verschmitzt sein, Jürgen Marschall schnitzte dem Naturburschen einen hochgezogenen Mundwinkel und ungleiche Augen.
Passend zum Text, der August Wilhelm von Schlegels Übersetzung mit der etwas älteren von Christoph Martin Wieland anreichert, versetzt Hans Kautzmann das Spiel ins Jahr 1823 im Stil von Klassizismus und Empire mit Anklängen an die griechische Antike. Geriffelte dorische Säulen säumen das Bühnenbild, ein Amor schießt seine Liebespfeile.
Die Zuschauer werden einige sehr markante Stimmen hören. Den Puck spricht der Schauspieler Ben Becker. „Er hatte den Wunsch geäußert, mal was für die Puppenkiste zu machen“, plaudert Klaus Marschall aus. Der Hermia leiht Annina Braunmiller ihre Stimme, die auch der Bella in den deutschen „Twilight“-Filmen gehörte. Die junge Synchronsprecherin ist in Neusäß aufgewachsen und hatte als Wahl-Oma Margot Schellemann, ein Urgestein der Puppenkiste. Die Musik orientiert sich an Felix Mendelssohn Bartholdys „Sommernachtstraum“, adaptiert für ein Septett und ergänzt um eigene Motive vom Augsburger Jazzkomponisten Wolfgang Lackerschmid. Mit vier Holzbläsern (Querflöte, Oboe, Klarinette, Fagott) und drei Saiteninstrumenten klingt sie nach Hirtenliedern.
Premiere ist am Samstag, 30. Oktober (ausverkauft), weitere Aufführungen am 5., 12., 13., 17., 19., 20. und 24. November. Restkarten unter Telefon 08 21/45 03 45 40 und über die Homepage: www.puppenkiste.com


Schabernack im Jambenmaß
Von Alois Knoller (02.11.2010, Augsburger Allgemeine)
Zickenkrieg anno 1595: „Du Marionette, pfui! du Puppe, du!“ - „Wie? Puppe? Ha, nun wird ihr Spiel mir klar.“ Beim Wortwechsel zwischen Helena und Hermia sind die Lacher in der Augsburger Puppenkiste garantiert. Denn hier streiten sich tatsächlich zwei Marionetten um Erfolg und Misserfolg in Liebesdingen. Helena würde gern Demetrius erobern, aber der hat bloß Augen für Hermia, die sich jedoch allein für Lysander interessiert. Wir befinden uns in William Shakespeares zauberhaftem Lustspiel „Ein Sommernachtstraum“, das am Samstag seine Premiere in der Puppenkiste hatte.
Für keine Bühne würde sich der Stoff besser eignen als für die magische Welt des Puppenspiels. Schwerelos schweben die Elfen der Königin Titania heran. Wie ein Troll huscht und hüpft Puck durch den Märchenwald, um mit den Verliebten Schabernack zu treiben. Dabei wechselt die Beleuchtung psychedelisch ins Pink, ins Hellbau, ins Grün und ins Rot, wie es keine Tageszeit vermöchte. Mühelos gelingt es der Puppenkiste, dem einfältigen Zettel den Eselskopf aufzusetzen, dessen lange Ohren so lustig wackeln, dass er Publikumsliebling wird.
Klassizistische Kostüme
Dennoch ist der Zuschauer am Anfang verblüfft, dass die strengen, klassischen Jamben der Übersetzungen von August Wilhelm Schlegel und Christoph Martin Wieland erklingen und kein lockeres Marionettenspiel geboten wird. Bestens passen dazu die klassizistischen Kostüme im Stil von Empire und Biedermeier (Mareike Wittner) und das Bühnenbild mit Anklängen an griechische Säulen und südliche Gärten (Hans Kautzmann). An die gehobene Sprache gewöhnt man sich dann doch recht bald, zumal die Marionetten ein lebhaftes Körperspiel zeigen, sodass die Akteure stets klar zu erkennen sind.
Aus der Stimme des Puck wird man bald eine gewisse typische Rauheit heraushören; es ist der Bass von Ben Becker, der hier zwischen scherzendem Schelm und übel gesinntem Schadgeist die Figur führen kann. Auffallend neu klingt im Puppenkiste-Soundrepertoire auch die Hermia, der die junge Synchronsprecherin Annina Braunmiller, die deutsche Stimme der Bella in den „Twilight“-Filmen, ihren sympathischen Charakter verleiht.
Nach der Pause setzt Regisseur Peter Scheerbaum einen drauf und entzückt die Zuschauer mit einem komödiantischen Spiel im Spiel. Der Theaterkarren wird hereingeschoben und zur Erheiterung des höfischen Hochzeitsfests, das nach Auflösung der Liebeswirren stattfinden kann, hebt ein Handpuppenspiel von derb-naivem Charme an: Die unglücklich verliebten Pyramus und Thisbe schmachten sich durch eine lebende Wand an - nicht ohne zotige Anspielungen. Mondschein und Löwe gehören ebenfalls zur Truppe, die mit hohlem Pathos und grimmigen Konsequenzen das Gelächter provoziert. Am Ende des „greiflich dummen Spiels“ (Theseus) haben sich beide Liebende mit jämmerlicher Ansage ihres Weltenschmerzes in die scharfe Klinge gestürzt. Puppenspiel der schönsten Art! Bravo!
Nochmals am 5., 12., 13., 17., 19., 20., 21. November; 1., 3., 4., 8., 10., 11. Dezember. Restkarten: Tel. 0821/ 45 03 45 40, www.puppenkiste.com


In Pucks Wald agiert niemand hölzern
Von Stefan Mayr (03.11.2010, Süddeutsche Zeitung)
Shakespeares 'Sommernachtstraum': Die Augsburger Puppenkiste setzt ihre Tradition fort, Stücke für Erwachsene aufzuführen
Augsburg
- Von diesem Engagement hat Ben Becker schon lange geträumt. Jetzt durfte der Schauspieler dem Puck in Shakespeares 'Ein Sommernachtstraum' in der Augsburger Puppenkiste seine Stimme leihen.
Shakespeare in der Puppenkiste? Schon seit mehr als 60 Jahren hat das Theater in der Altstadt Weltliteratur für Erwachsene im Programm. Den Anfang machte 1948 'Doktor Faustus'. Und 1960 sorgte Theatergründer Walter Oehmichen, der einst Spielleiter am großen Augsburger Theater war, mit seiner Puppenkiste für Aufregung, indem er Bertolt Brechts 'Dreigroschenoper' inszenierte.
Nun wagen sich Oehmichens Erben erstmals an Shakespeare heran. 'Wo ist Lysander und die schöne Hermia?' ruft der verzweifelt verliebte Demetrius, 'Ihn töten möcht" ich gern; sie tötet mich.' Hier geht es schon um einiges härter zu als bei Jim Knopf und seinem Lokomotivführer.
'Wir haben den Bruch gewagt', sagt Regisseur Peter Scheerbaum, seit 27Jahren bei der Puppenkiste. 'Wir konfrontieren die Zuschauer mit langen Monologen.' Die Stimmen vom Band bleiben dennoch gut verständlich, neben dem überraschend zurückhaltenden Ben Becker standen hauptsächlich Synchronsprecher vor dem Mikrophon. Der Text wurde auf zwei Stunden gekürzt. Was nicht fehlt, ist das Zitat aus dem Zickenzank zwischen Helena und Hermia. Nicht nur in diesem Moment entfaltet die Puppenkiste ihren vertrauten Zauber. Erinnerungen an die Helden der Kindheit werden wach. Spätestens als die verhexte Elfenkönigin Titania den Handwerker Zettel mit seinem Eselskopf umgarnt ('du bist so weise, wie du reizend bist') und der Esel verlegen mit seinen Ohren wackelt. Wunderbar auch, wie sich Titania über ihr Objekt der Begierde beugt, und er scheu zitternd zurückweicht. Große Marionetten-Schauspielkunst - und alles andere als hölzern.
Auch diesmal führt die ein auf zwei Meter kleine Guckkastenbühne ihre 222Zuschauer in neue Dimensionen, die kein Menschen-Staatstheater der Welt jemals bieten kann: Die entzückenden Elfen sowie ihre Königin Titania schweben im grünen Blättergewand durch ihren Märchenwald. Troll Puck zappelt und hüpft und tollt durch die Welten wie Michael Endes Traumfresserchen. Mit zwei verschieden großen Augen und keck hochgezogenem Mundwinkeln genießt er seinen 'Hauptspaß', den er mit den Menschenkindern treibt, und stellt fest: 'Welch albern Volk sind diese Sterblichen!'
Die Musik hat der Augsburger Jazzmusiker Wolfgang Lackerschmid komponiert. Er hat die Orchesterfassung der Originalmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy mit vier Holzbläsern und zwei Streichern 'verpuppenkistet'. Höhepunkt der Komödie ist das Theater auf dem Theater, die Tragödie um Pyramus und Thysbe, mit der die Handwerker das Hochzeitsfest ihres Herzogs Theseus zu bereichern versuchen: Grobschlächtige Handpuppen auf der Bühne, das hat es in der Puppenkiste schon lange nicht mehr gegeben. Plötzlich erscheint sogar eine leibhaftige Menschenhand.

   1 englisches Original
   2 ältere deutsche Übersetzung
   3 jüngere deutsche Übersetzung
   4 Lackerschmid bearbeitete Felix Mendelssohn-Bartholdys Komposition für ein Septett
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