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Bühne | 1962
Der Prozess um des Esels Schatten



Premiere:24.03.1962
Theatertext: Friedrich Dürrenmatt 1
Inszenierung: Walter Oehmichen
Puppenbau: Hannelore Marschall-Oehmichen
Kostüme: Rose Oehmichen
Bühnenbild: Malte Marks
Musik: Hermann Amann
Inhaltsangabe:
Der Zahnarzt Struthion mietet einen Esel bei Anthrax und lässt sich unterwegs in der Sommerhitze in dessen Schatten nieder. Die Folge davon ist ein Prozess zwischen Vermieter und Mieter um die Frage, ob Struthion zugleich mit dem Esel auch dessen Schatten gemietet hat. Anfangs geht es ums liebe Geld. Aber schon nehmen die Juristen den Fall in die Hand, und bald schließen sich an: Beziehungen, Bestechung und Propaganda, und mit einem Male ist eine Frage von Sein und Nichtsein daraus geworden. Schon sieht das Fremdenverkehrsgewerbe die Zukunft der Stadt bedroht, als Abdera wegen des ohrenbetäubenden idealistischen Geschreis in seinen Mauern von Reisenden gemieden wird. Zuerst steht der Götterglaube, dann die Menschlichkeit auf dem Spiel, schließlich das Wohl des Proletariats und endlich die Freiheit, die verteidigt werden muss (sofort schaltet sich die Thykidides Waffen A.G. in den Kampf für den Frieden und die Ideale ein). Den beiden Kontrahenten ist der Fall längst nicht mehr angemessen; Struthion hat Praxis und Frau, Anthrax Esel und Tochter verloren bzw. verkauft, um die Prozesskosten aufzubringen, als Tiphys die ganze Stadt in Brand steckt und Götter wie Geschäfte miteinander brennen lässt: »Ich wurde der Feuerhauch, der eure Vergänglichkeit sengte; die Gerechtigkeit, die über diese Stadt kam und immer wieder kommen wird; ich wurde die Hölle eurer Taten, die ihr selbst begangen.«
Nun ist der tobende Mob freilich auf der Suche nach einem Schuldigen … und der ist rasch gefunden …

Informationen:
Im Programmheft informierte Walter Oehmichen sein Publikum über das Folgende:
Es ist ein Stück Lehrtheater, aber nicht, wie üblich, von den Maximen, sondern von seiner Fabel her. Dürrenmatt hat sie Wielands satirischer Geschichte der Abderiten entnommen und sie frei abgewandelt, wohingegen der Song des Realisten Tiphys von Brecht stammt. Dürrenmatt zeigt in diesem Stück, dass er mehr noch als gegen Prinzipien gegen die Reiter auf selbigen hat.

Bühnenbild und Szenenfolge:
Die heute gespielte Fassung stellt eine gekürzte Version der Premierenfassung dar. Die Kürzungen erfolgten vermutlich in drei Etappen.2 Die heute nicht mehr enthaltenen Szenen werden in der folgenden Liste durch einen Stern hervorgehoben.
1. Szene: Markplatz und Straße in Abdera anschliessend Wüste
2. Szene: Beim Stadtrichter in Abdera
3. Szene: Marktplatz in Abdera (wie 1) und Haus des Anthrax
4. Szene: Peleias Wohnung
5. Szene: Hafenkneipe
6. Szene: Schiff mit Kommandobrücke
7. Szene: Bei Telesia mit Badewanne
8. Szene: Beim Oberpriester Strobylus
9. Szene: Beim Erzpriester Agathyrsus
10. Szene: Gerichts-Saal in Abdera
11. Szene: Eine Kammer
12. Szene: Straße in Abdera (wie 1)3
13. Szene: Straße in Abdera mit Anthrax Hütte
14. Szene: Fremdenverkehrsverein
15. Szene: Tierschutzverein4
16. Szene: Marmor A.G.5
17. Szene: Arbeiterpartei
18. Szene: Senatspräsident
19. Szene: Zunftmeister
20. Szene: Waffen A.G.
21. Szene: Hafen mit Schiff (wie 6)
22. Szene: Straße
23. Szene: Hafen mit Schiff (wie 6)
24. Szene: Ruinenstraße
Figuren und Sprecher:
Einige Jahre nach der Premiere strich Walter Oehmichen im Rahmen von Kürzungen für eine Wiederaufnahme drei Rollen6 aus seiner Inszenierung.
In den 80er Jahren fiel außerdem die Figur des Vorsitzenden des Tierschutzvereins der Schere zum Opfer, als Hanns-Joachim Marschall nochmals kürzte. Die im Lauf der Zeit entfernten Rollen sind in der folgenden Liste mit einem Stern markiert:
Struthion, Zahnarzt
Walter Schellemann
Anthrax, Eseltreiber
Manfred Jenning
Krobyle, seine Frau
Rose Oehmichen
Phillippides, Stadtrichter
Horst Kreuter
Miltias, Assessor
Günter Knecht
Physignatus, Advokat von Struthion
Walter Oehmichen
Polyphonus, Advokat von Anthrax
Gerhard Jentsch
Peleias, Putzmacherin, Geliebte des Mastax
Margot Schellemann
Mastax, Helmschmied, Bruder des Tiphys
Heinz Günther Kilian
Tiphys, Kapitän
Alfred Mendler
Iris, seine Braut
Elsbeth Jäger
Strobylus, Oberpriester, Protektor v. Anthrax
Walter Guberth
Telesia, Liebkind des Strobylus
Gunda Maria Weber
Agathyrsus, Erzpriester, Protektor d. Struthion
Werner Korn
Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins
Manfred Jenning
Vorsitzender des Tierschutzvereins7
Herbert Meyer
Direktor der Marmor A.G.8
Heinz Günther Kilian
Vertreter der Mazedonischen Arbeiterpartei
Walter Schellemann
Hypsiboas, Senatspräsident
Robert Bürkner
Pfrieme, Zunftmeister
Martin Borns
Thykidides, Waffendirektor
Walter Oehmichen
Der Esel
Walter Oehmichen
Pyrops, Feuerwehrhauptmann
Walter Schellemann
Polyphem, Feldwebel
Martin Borns
Perseus, Feldwebel
Günter Knecht
Zeitungsjunge9
Günter Knecht
Verkäuferin10
Rosemarie Niebler
4 Richter
Horst Kreuter
Hanns-Joachim Marschall (als Hans Kersten)
Walter Schellemann
Otto Markner
Volk
Wirt der Hafenkneipe
(stumm)
Vermummter Auftraggeber eines Brands im Latona-Tempel
Walter Schellemann
Vermummter Auftraggeber eines Brands im Jason-Tempel
Horst Kreuter
Pamphagus, Sekretär des Direktors Thykidides
(stumm)
Produktionsdaten:
14.03.1962: 18 Puppen werden eingefädelt
14.03.1962, 18:30 Uhr: Bandaufnahmen
15.03.1962, 15:00 Uhr: Bandaufnahmen
16.03.1962: 13 Puppen werden eingefädelt
16.03.1962, 15:00 Uhr: Bandaufnahmen
19.03.1962, 14:00–17:00 Uhr: Probe
20.03.1962, 09:30 Uhr: Probe
20.03.1962, 15:00–18:00 Uhr: Probe
22.03.1962: 1 Puppe wird eingefädelt
22.03.1962, 09:30 Uhr: Probe
22.03.1962, 15:00 Uhr: Probe
23.03.1962: 2 Puppen werden eingefädelt
23.03.1962, 09:30 Uhr: Probe
23.03.1962, 15:00 Uhr: Probe
24.03.1962, 09:30 Uhr: Generalprobe
24.10.1963, 10:30 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme
25.10.1963, 09:30 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme
31.10.1963, 09:30–14:00 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme


Der Zahnarzt Struthion mietet auf dem Markplatz in Abdera einen Esel von Anthrax.
[© Fotostudio Meile]

Angetrieben von Anthrax trägt der Esel den Zahnarzt durch die Sümpfe.
[© Fotostudio Meile]

In der Gluthitze der trazischen Ebene steigt Struthion vom Esel und nimmt in dessen Schatten Platz. Der Eseltreiber verlangt hierfür einen Aufschlag.
[© Fotostudio Meile]

Da Struthion und Anthrax nicht einig werden können, gehen sie zum Stadtrichter Phillippides
[© Fotostudio Meile]

Der Eseltreiber wird vom Anwalt Polyphonus darin bestärkt, einen Prozess gegen den Zahnarzt zu führen.
[© Fotostudio Meile]

Der Zahnarzt wird vom Anwalt Physignatus darin bestärkt, einen Prozess gegen den Eseltreiber zu führen.
[© Fotostudio Meile]

Anthrax berichtet seiner Frau, dass für die Anwaltskosten die Betten verkauft werden müssen.
[© Fotostudio Meile]

Nachdem die Putzmacherin Peleias von der Frau des Eselstreibers die Geschichte um den Prozess gehört hat, erzählt sie diese ihrem Geliebten, dem Helmschmied Mastax, weiter. Dieser ist der Bruder von …
[© Fotostudio Meile]

… Kapitän Tiphys, der seiner Braut Iris vom Prozess des Anthrax berichtet.
[© Fotostudio Meile]

Die Tänzerin Telesia erfährt von Iris, ihrer Baderin, vom Prozess des Anthrax.
[© Fotostudio Meile]

Oberpriester Strobylus vom Tempel der Latona erfährt durch Telesia vom Prozess des Anthrax, während diese ihm für seine »naturwissenschaftlichen Studien« Modell steht.
[© Fotostudio Meile]

Oberpriester Agathyrsus von Tempel des Jason ergreift Partei für die Gegenseite.
[© unbekannt]

Der Fall wird vor Gericht behandelt
[© Fotostudio Meile]

Jeder Abderit hat etwas zu dem Prozess zu sagen … auch und der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins …
[© Fotostudio Meile]

… der Vorsitzende des Tierschutzvereins …
[© Fotostudio Meile]

… der Direktor der Marmor AG
[© Fotostudio Meile]

… ein Vertreter der mazedonischen Arbeiterpartei …
[© Fotostudio Meile]

… Senatspräsident Hypsiboas von der Partei der Schatten …
[© Fotostudio Meile]

… und Zunftmeister Pfrieme von der Partei der Esel.
[© Fotostudio Meile]

Auch Direktor Thykidides von der Waffen A.G. in Korinth ergreift Partei – für beide Seiten!
[© Fotostudio Meile]

Abdera versinkt im Bürgerkrieg, die Stadt steht in Flammen – wer ist der Schuldige? Wer warf seinen Schatten auf das friedliche Städtchen?
[© Fotostudio Meile]

   1 Der Prozess um des Esels Schatten war ursprünglich »ein Hörspiel (nach Wieland – aber nicht sehr)«. Als Walter Oehmichen das Thema für sein Marionettentheater entdeckte, verfasste Dürrenmatt eigens eine Marionettentheaterbearbeitung für ihn.
   2 Szene 12 wurde wahrscheinlich schon vor der Premiere gestrichen. Die Szene 16 entfiel gegen Ende der 60er Jahre. Szene 15 entfiel in den 80er Jahren.
   3 Diese Szene wurde vor oder nach der Premiere aus dem Stück entfernt
   4 Diese Szene wurde nach der Premiere aus dem Stück entfernt
   5 Diese Szene wurde nach der Premiere aus dem Stück entfernt
   6 der Ausrufer, die Verkäuferin, der Direktor der Marmor AG
   7 Diese Rolle wurde nach der Premiere aus dem Stück gestrichen.
   8 Diese Rolle wurde nach der Premiere aus dem Stück gestrichen.
   9 Diese Rolle wurde nach der Premiere aus dem Stück gestrichen.
   10 Diese Rolle wurde nach der Premiere aus dem Stück gestrichen.
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