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Bühne | 2008
Hänsel und Gretel – eine erstaunliche Geschichte



Premiere:14.11.2008
Buchvorlage: Jakob und Wilhelm Grimm
Bearbeitung: Judith Gardner 1
Inszenierung: Judith Gardner
Puppenbau: Jürgen Marschall 2
Carsten Gardner 3
Kostüme: Mareike Wittner
Entwürfe/ Figurinen: Carsten Gardner 4
Bühnenbau/ Dekoration: Andrea Graf
Gertraut »Traudl« Vogler
Musik: Martin Stefaniak
Inhaltsangabe:
Da ihr Vater schon lang auf Arbeitssuche fort ist, machen sich Hänsel und Gretel auf die Suche nach ihm. Ihr Weg führt sie dabei auch in den Heulewald, wo sie in einer kalten Nacht unverhofft auf ein merkwürdiges Häuschen stoßen. Ganz aus Pfefferkuchen gebacken steht es einsam mitten im Wald und ist die Heimat der Lebkuchenhexe. Diese stellt sich zunächst freundlich und lädt die Kinder zum Abendessen ein, doch als die beiden Besucher schlafen, stellt sich heraus, dass dies alles streng nach Lehrplan geschehen ist. Mit ihrer Bösbrille arbeitet die arg kurz- und weitsichtige Hexenschülerin nach und nach die Punkte in ihrem Hexenlehrbuch ab und sperrt Hänsel nun getreu der Anleitung in einen Stall um ihn zu mästen.
Doch Bruder und Schwester wissen sich gegen die Hexenanwärterin zu behaupten. Sie verstecken ihre Brille und fortan liest nun Gretel der naiven und – wie den Kindern recht bald verwundert auffällt – eigentlich liebenswürdig verschrobenen alten Frau aus dem Hexenbuch vor. Passagen, die das Kinderbraten betreffen, unterschlägt Gretel freilich und denkt sich statt dessen anspruchsvolle Aufgaben aus, die die Lebkuchenhexe nicht wenig beanspruchen.
Als eines Tages jedoch die Hexe Malizia, die Lehrmeisterin, bei der Lebkuchenhexe vorbei schaut, fliegt der Schwindel auf und für die Kinder sieht es übel aus. Nun will Malizia persönlich dafür sorgen, dass die Kinder das ihnen zugedachte Schicksal ereilt – und zwar sofort auf der Stelle …

Informationen:
Die öffentliche Premiere des Stücks war am 14.11.2008 um 16:00Uhr. Schon am Mittwoch, dem 12.11. fand jedoch eine Vorpremiere vor geladenen Gästen (Förderer, etc.) statt – sozusagen eine Generalprobe vor Publikum.

Bühnenbild und Szenenfolge:
1.Bild: Vor dem Haus des Vaters
2.Bild: Im tiefen Wald
3.Bild: Vor dem Lebkuchenhaus
4.Bild: Im Lebkuchenhaus
Pause
5.Bild: Im Lebkuchenhaus
6.Bild: Auf der Anhöhe
7.Bild: Vor dem Lebkuchenhaus
8.Bild: Vor dem Haus des Vaters
Figuren und Sprecher:
Hänsel
Frederik Bedrich
Gretel
Birge Funke
Lebkuchenhexe
Barbara Ratthey
Kater Azrael
Armin Mayershofer
Malizia
Christel Peschke
Vater
Klaus Müller
Stiefmutter5
Anna Ottmann
Zaubervogel
(stumm)
Großer Vielfraß
Stefan Schmieder
Mittlerer Vielfraß
Andreas Ströbl
Kleiner Vielfraß
Phil Bierbrauer
Wetterhahn
Christian Blank

Kritiken/ Pressestimmen:
Eine schusselige Lebkuchenhexe hält Hänsel und Gretel in Schwung
Es ist ihre erste Inszenierung. Judith Gardner ist etwas aufgeregt. Wird die „erstaunliche Geschichte“, die sie auf der Grundlage des Märchens von Hänsel und Gretel in der Augsburger Puppenkiste erzählt, bei den kleinen und großen Zuschauern ankommen? Nach der Premiere am Freitagnachmittag weiß sie mehr.
Ein so bekanntes Märchen muss man schon ein bisschen hin und her schütteln, damit daraus eine spannende Bühnenfassung wird. Judith Gardner traute sich, die zentrale Figur der Hexe zu überdenken. Ist sie wirklich so bösartig? Hat sie vielleicht eine ganz andere Motivation, die Kinder festzuhalten?
„Wir werden die Geschichte in der Form erzählen, bevor sie aufgeschrieben wurde“, kündigt Theaterleiter Klaus Marschall an. Die Lösung lautet: Es gibt zwei Hexen – die schusselige Lebkuchenhexe, die erst ausgebildet wird, und ihre böse Lehrmeisterin. Mit dieser Hexe, die aus dem Rahmen fällt, kommt Humor und Vielschichtigkeit ins Märchen, „das im Grimm’schen Original schnell zu Ende erzählt ist“, wie Judith Gardner meint.
Bühnenbildner Carsten Gardner, ihr Ehemann, den die Regisseurin bei der Puppenkiste kennengelernt hat, schnitzte dazu Figuren mit eigener Handschrift. Die recht skurrilen Tiere im Wald, darunter einige wilde Gesellen, schuf Jürgen Marschall mit viel Fantasie.
Seit Anfang des Jahres arbeitet das Ensemble der Augsburger Puppenkiste an der neuen Inszenierung, bis das Buch, die Musik, die Figuren und Kulissen standen. Im September gingen die Proben los, „weil wir ab November sehr viele Vorstellungen geben“, erklärt Marschall. Die großzügige Zeitplanung kam Judith Gardner recht. „Die ersten Tage waren für alle Beteiligten sehr anstrengend“, berichtet sie. Es dauert, bis alle Marionetten auf der Bühne ihre Plätze haben („damit es nicht wie ein Knäuel aussieht“) und ihre Wege klar sind („dass auf der Spielbrücke kein Handgemenge entsteht“). „Die restliche Probenarbeit hat großen Spaß gemacht.“
Eine Geschichte, die Kindern Selbstvertrauen vermittelt
Zeitgemäß ist „Hänsel und Gretel“ allemal. „Das Märchen kann Kindern viel Mut machen“, sagt Klaus Marschall. „Es hat mit Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu tun. Die allein gelassenen Kinder müssen selber handeln, es bleibt ihnen nichts anderes übrig.“ Das treffe durchaus auf heutige Familienkonstellationen zu.
So akademisch erscheint der Stoff freilich nicht auf der Bühne. Die Zuschauer der Puppenkiste werden immer jünger; für die Drei- und Vierjährigen müssen die Stücke sehr konkret erzählt werden.
Vorstellungen bis 7. Dezember am Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag.

       (Alois Knoller für die Augsburger Allgemeine; verspätet veröffentlicht am 15.11.2008)

Alles anders im Heulewald
Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald. Stopp. Sie gingen selbst hinein, sagt die Augsburger Puppenkiste. In der Neuinszenierung von Judith Gardner, die am Freitag Premiere hatte, wählt das Marionettentheater einen anderen Zugang und erzählt „eine erstaunliche Geschichte“, so der Untertitel. Alles ist da, was die Brüder Grimm in ihrem Märchen erzählen. Und doch ist alles anders.
Die beiden Kinder werden hier nicht ausgesetzt, vielmehr brechen sie selbst auf, um ihren Vater zu finden, der auf Arbeitssuche wegging. Das nimmt ihnen die Opferrolle, führt sie aber trotzdem zur Lebkuchen-Hexe, die freilich eine ganz nette Frau ist, wenn sie nicht durch ihre „Bösbrille“ schaut.
Die alte Story wird wieder einmal entschärft, doch ihre Magie soll sie behalten. Geht das? Nur um den Preis einiger logischer Brüche und unmotivierten Spektakels. Die Puppenkiste baut hinter der eigentlich guten Hexe eine andere, wirklich böse Hexe auf.
Sie hat ihr die Sache mit dem Hänsel-Mästen, dem Gretel-Schikanieren und dem Kinder-Braten eingebrockt. Jaja, das kommt alles vor, aber nur als Zitat aus dem Hexenbuch. Hänsel bleibt bloß deshalb im Käfig sitzen, weil er die Bösbrille bewachen muss. Dennoch kommt es zum Showdown am Backofen, weil die böse Hexe in verwandelter Form eines knorrigen Baums verbrannt werden muss – ohne ein Zutun der Kinder.
Bedächtig geht es in die Geschichte hinein. Der Erzählstrom lässt Zeit, die malerischen Kulissen zu genießen, sich an den allerliebst geschnitzten Marionetten (Carsten Gardner, Jürgen Marschall) zu erfreuen und sich den Kopf zu zerbrechen, was für eine (stumme) Rolle die drei wilden Kerle spielen, die aus dem Wald auftauchen. Hänsel und Gretel scheinen sie gar nicht wahrzunehmen und denken nicht daran, sie als Verbündete einzubeziehen. Nur der Zaubervogel darf ihnen als Lotse helfen.
Die Slapsticks der schusseligen Lebkuchenhexe halten nicht lange vor, das Spiel muss immer turbulentere Aktionen nachlegen, um das junge Publikum bei Laune zu halten. Darunter leidet die Poesie und letztlich das Märchen, das mit dem Magenknurrblues (Martin Stefaniak) und dem Heulewald so faszinierend angefangen hat.

       (Alois Knoller für die Augsburger Allgemeine am 19.11.2008)
Bezüge zu anderen Produktionen:

Weitere Inszenierungen des Stoffes auf Basis anderer Textfassungen
A) 1943: Hänsel und Gretel (Puppenschrein)
1943 brachte Walter Oehmichen erstmals eine Bearbeitung des Märchens auf die Bühne seines Haustheaters Puppenschrein.
B) 1948: Hänsel und Gretel
1948 inszenierte Walter Oehmichen das Märchen erstmals auf der Bühne der Augsburger Puppenkiste.
C) 1952: Hänsel und Gretel
1952 wurde die '48er Inszenierung teilweise neu ausgestattet.
D) 1958: Hänsel und Gretel
1958 verfasste und inszenierte Manfred Jenning eine neue Bearbeitung des Stoffes, die Walter Oehmichens Fassung für einige Jahre ersetzte.
E) 1966: Hänsel und Gretel
1966 erfuhr das Stück in Oehmichens Bearbeitung unter Federführung von Hanns-Joachim Marschall abermals eine Neuinszenierung.
F) 1983: Hänsel und Gretel
Im Jahr 1983 erfuhr Jennings Bearbeitung eine Neuinszenierung unter Regie von Margot Schellemann.

   1 Judith Gardner kreierte eine neue Fassung des Märchens frei nach Grimm.
   2 schuf die Tiere und Fabelwesen
   3 schuf die menschlichen Figuren
   4 Bühnenbild- und Puppenentwurf
   5 nur Stimme, keine Figur
Vorstellungstermine:

Nr. Datum Stück
1 Fr., 12.04.2019 | 16:00 Uhr Hänsel und Gretel – eine erstaunliche Geschichte
2 Sa., 13.04.2019 | 15:00 Uhr Hänsel und Gretel – eine erstaunliche Geschichte
3 So., 14.04.2019 | 14:00 Uhr Hänsel und Gretel – eine erstaunliche Geschichte
4 So., 14.04.2019 | 16:00 Uhr Hänsel und Gretel – eine erstaunliche Geschichte
5 Di., 16.04.2019 | 16:00 Uhr Hänsel und Gretel – eine erstaunliche Geschichte
6 Mi., 17.04.2019 | 16:00 Uhr Hänsel und Gretel – eine erstaunliche Geschichte
7 Do., 18.04.2019 | 16:00 Uhr Hänsel und Gretel – eine erstaunliche Geschichte
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