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Bühne | 1958
Die Liebe und der Tod (Goyescas)



Premiere:26.02.1958
Theatertext: Wolfgang Martin Schede 1
Inszenierung: Walter Oehmichen
Puppenbau: Hannelore Marschall-Oehmichen
Kostüme: Rose Oehmichen
Entwürfe/ Figurinen: Francisco de Goya
Bühnenbild: Heinz-Gerhard Zircher
Musik: Hermann Amann
Inhaltsangabe:
Ereignisse der jüngsten Vergangenheit lassen die Kobolde Pfote, Nase, Hut, Furz und Langer deutlich spüren, dass ihre Dienste bald gefordert werden. So versammeln sie sich vor dem Gotteshaus, in dem Don Esteban, ein verbrecherischer Mann, der ebenso reich wie arrogant und übergewichtig ist, soeben Hochzeit mit der jungen schönen Anima hält. Außer ihm ist jedoch niemand glücklich über diese Eheschließung. Nicht die geladenen Gäste, nicht die alte Amme der Braut und auch nicht die Braut selbst, die ihr Jawort nur aus Verzweiflung gab. Verzweiflung über das lange Ausbleiben ihres geliebten Verlobten Don Antonio, der vor drei Jahren ohne eine Erklärung fortging … und der gerade heute, nur Minuten zu spät, zurückkehrt, um aus vollem Herzen sein einstiges Eheversprechen einzulösen.
Das Schicksal nimmt seinen Lauf und führt die beiden jungen Liebenden heimlich zusammen. Der Gatte indessen findet sich allabendlich vor dem verschlossenen Schlafgemach seiner Braut wieder und kann somit die süßen Früchte seiner Eheschließung nicht genießen. Er beschließt sich daher der dunklen Künste eines Magierehepaares zu bedienen. Die Hexe und der Hexerich durchschauen die Dreiecksgeschichte sogleich und schmieden einen finsteren Plan. Für einen Beutel Gold arrangieren sie für Don Esteban einen Seelentausch. Der Gatte bewohnt fortan den Körper des jungen Geliebten, während dessen Geist sich in der Hülle des Alten wiederfindet. Aber es ist Vorsicht geboten. Schon eine flüchtige Berührung beendet den Seelentausch.
Und während die Kobolde im Verborgenen der Dinge harren, die unvermeidlich sind, findet sich Anima im Zentrum des grausigen Verwirrspiels wieder …


Bühnenbild und Szenenfolge:
01.Capricho: Que Sacrificio (Welches Opfer)
02.Capricho: Duendecitos (Poltergeister)
03.Capricho: Hilan Delgado (Sie spinnen fein)
04.Capricho: Nadie Se Conoce (Niemand kennt sich)
05.Capricho: El Amor y la Muerte (Die Liebe und der Tod)
Figuren und Sprecher:
Die Dame: Anima
Margot Schellemann
Der Gatte: Don Esteban
Walter Schellemann
Der Geliebte: Don Antonio
Manfred Jenning
Die Amme
Rose Oehmichen
Die Hexe
Elsbeth Jäger
Der Hexerich
Walter Oehmichen
Kobolde:
     Der Lange
Hanns-Joachim Marschall
     Nase
Heinz Jenning
     Furz
Max Bößl
     Hut
Manfred Jenning
     Pfote
Hanns-Joachim Marschall
Masken (zweigesichtige Trauungsgäste):
     Erster
Hanns-Joachim Marschall
     Zweite
Ursel Döllgast
     Dritte
Margot Schellemann
     Vierter
Walter Oehmichen
Fledermäuse
(stumm)
sonstiges Nachtgelichter
(stumm)
Produktionsdaten:
13.02.1958, 17:00 Uhr: Bandaufnahme
14.02.1958, 16:00 Uhr: Bandaufnahme
20.02.1958, 09:30 & 15:00 Uhr: Probe
21.02.1958, 15:00 Uhr: Probe
23.02.1958, 15:00 Uhr: Probe
24.02.1958, 15:00 Uhr: Probe
25.02.1958, 09:30 & 16:00 Uhr: Proben u. anschl. Generalprobe


2. Bild: Die Kobolde
[© Fotostudio Meile]

3. Bild: Der Gatte bei der Hexe und dem Hexerich
[© Fotostudio Meile]

4. Bild: Die Kobolde haben sich selbst zu Don Estenbans Maskenball eingeladen.
[© Fotostudio Meile]

4. Bild: Der Gatte, die Amme, Anima, die Hexe und der Hexerich
[© Fotostudio Meile]

5. Bild: Don Estebans Seele ist in Antonios Körper gefahren und bedrängt Anima.
[© Fotostudio Meile]

5. Bild: Anima hält den sterbenden Antonio in den Armen.
[© Fotostudio Meile]

5. Bild: Anima begräbt ihr von Trauer geschlagenes Gesicht in den Rockfalten der Amme. Don Esteban steht triumphierend neben dem Leichnam des Antonio.
[© Fotostudio Meile]

Francisco de Goya (1799): Los Caprichos Nr. 14: Que sacrificio! (Welches Opfer!)
[© Francisco de Goya]

Francisco de Goya (1799): Los Caprichos Nr. 49: Duendecitos (Poltergeister)
[© Francisco de Goya]

Francisco de Goya (1799): Los Caprichos Nr. 44: Hilan delgado (Sie spinnen fein)
[© Francisco de Goya]

Francisco de Goya (1799): Los Caprichos Nr. 6: Nadie se conoce (Niemand kennt sich)
[© Francisco de Goya]

Francisco de Goya (1799): Los Caprichos Nr. 10: El amor y la muerte (Die Liebe und der Tod)
[© Francisco de Goya]

Kritiken/ Pressestimmen:
Vor zehn Jahren eröffnete Walter Oehmichen die Augsburger Marionettenbühne. Inzwischen hat die »Puppenkiste« weit über den engeren Kulturkreis ihrer Heimatstadt hinaus Freunde und Bewunderer gefunden. Ja, sie ist berühmt geworden. – Puppenvater Oehmichen hält weise die Mitte zwischen Tradition und Experiment, zwischen Erwachsenentheater und Kinderspiel. Ein kluger Direktor und leidenschaftlicher Künstler, ausgestattet mit der leichthin kauzigen Gabe der artistischen Pedanterie, ohne welche der Umgang mit so filigranen Geschöpfen, wie es die Marionetten sind, nicht gedeihen würde.
Als Jubiläumsinszenierung (für die Erwachsenen) hat er Wolfgang Martin Schedes »Goyescas« gewählt. »Die Liebe und der Tod«, fünf Caprichios nach Blättern von Goya, ein dramatisches Gedicht für das Puppentheater. Vor Jahren konnten wir das gleiche Stück in einer Experimentalaufführung auf einer großen Münchener Schaubühne sehen. Schade, dass uns jetzt die direkten Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Denn obwohl wir damals von dem Versuch, dem lebendigen Theater aus der Verbindung von reinen Bildeffekten und Pantomime eigensinnigen Auftrieb zu geben, recht angenehm berührt waren, blieb der Gesamteindruck im Maß des Interessanten, aber Unvollkommenen. Schedes poetische Kraft, so schien es, genügte nicht, die graphischen Caprichios des großen Spaniers mit sprachlicher Substanz zu füllen. Und das Maskentreiben der lebendigen Mimen entbehrte letztlich doch der Dämonie, die von den Bildern ausstrahlt. Tatsache ist, dass Oehmichens Puppen es nicht nur »besser« machen, sie demonstrieren nicht nur die nach Kleist so oft bemerkte Ausdrucksüberlegenheit der Kunstfiguren über das Lebensspiel – sie entbinden auch aus der literarischen Paraphrase zu einem vorgegebenen Motiv die reine theatralische Dichtung. Hier hat das Wort, dieses zuweilen ein wenig nach Bastlerart zurechtgetüftelte Reimwerk, durchaus nur illustrativen Charakter. Das eigentliche Spiel aber ist die Symphonie aus Bild und Bewegung.
Die tragische Romanze der schönen Anima (hintergründiger Einfall, das weibliche Liebesopfer »Seele« zu nennen) und ihrer beiden ungleichen Buhlen, gewinnt in diesem zwielichtigen Reigen missgestaltigen Geistervolks eine symbolische Tiefenwirkung, die dem Betrachter den Atem stocken und, wie man sagt, das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Die wundersame Künstlichkeit der Puppenkörper, die unmenschliche Schönheit ihrer abstrakten Gebärden eröffnet Perspektiven des dramatischen Erlebens, die das Nur-Ästhetische weiter hinter sich lassen. Man ist verzaubert, mehr, man wähnt sich selbst in jenem magischen Kreis (dem Zentrum der Spielhandlung), wo die Seelen austauschbar werden. Oehmichens Marionetten lehren uns die ekstatische Schau. Im wahren Sinne des Wortes: ein mysteriöses Vergnügen!
(Kritik einer Augsburger Tageszeitung wenige Tage nach der Premiere)

   1 angeregt durch Zeichnungen des Francisco de Goya
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